Luxuszug-Rundreisen in Indien stehen bei vielen Gästen ganz oben auf der Wunschliste: Palace on Wheels, Maharajas' Express, Golden Chariot. Die Bilder sind bekannt – Speisewagen mit Messinglampen, Abteile wie kleine Hotelzimmer, draußen zieht Rajasthan vorbei. Wir sitzen in Jaipur, mitten auf der Strecke dieser Züge, und bekommen jede Saison dieselben Fragen. Hier sind unsere ehrlichen Antworten.
Vorweg, damit nichts missverstanden wird: Die Luxuszüge gehören staatlichen Bahn- und Tourismusgesellschaften und werden über deren eigene Vertriebswege verkauft. Unser Beitrag ist die Planung drumherum – die Tage vor und nach der Zugfahrt oder, wenn es besser passt, die Alternative auf der Straße.
Welche Luxuszüge fahren in Indien?
Für Gäste aus Deutschland sind drei Züge wirklich relevant.
Palace on Wheels
Der Klassiker, seit 1982 auf der Schiene. Eigentümer ist die Tourismusgesellschaft Rajasthans (RTDC). Die Reise dauert sieben Nächte und acht Tage, Abfahrt ist in der Saison mittwochs am Bahnhof Safdarjung in Delhi. Die übliche Route führt über Jaipur, Sawai Madhopur (für den Ranthambore-Nationalpark), Chittorgarh, Udaipur, Jaisalmer und Jodhpur, dann über Bharatpur und Agra zurück nach Delhi. Die Saison läuft grob von September bis April; 2026 gab es ausnahmsweise eine verkürzte Sonderfahrt im Mai. Die genaue Reihenfolge der Halte ändert sich von Jahr zu Jahr – verlassen Sie sich nur auf den aktuellen Fahrplan des Betreibers.
Maharajas' Express
Seit 2010 betreibt die staatliche Bahn-Tochter IRCTC diesen Zug, Saison von Oktober bis April. Es gibt mehrere Routen: lange mit rund sechs Nächten (unter anderem Mumbai–Delhi über Udaipur, Jodhpur und Bikaner oder eine Schleife ab Delhi mit Khajuraho und Varanasi) und eine kurze mit drei Nächten namens „Treasures of India“: Delhi, Agra, Ranthambore, Jaipur, zurück nach Delhi.
Golden Chariot
Der Luxuszug des Südens, ebenfalls von IRCTC, für die Saison 2026/27 überarbeitet. Zwei Routen mit jeweils fünf Nächten ab Bengaluru: „Pride of Karnataka“ mit Mysuru, Hampi und Goa sowie „Jewels of the South“ mit Mahabalipuram, Thanjavur und Kochi. Wer Tempel und Kerala ohnehin im Blick hat, sollte diese Routen neben eine klassische Südindien-Rundreise legen und vergleichen.
Lohnt sich eine Luxuszug-Rundreise in Indien?
Für eine bestimmte Art von Reisenden: ja. Wer nur eine Woche Zeit hat, ungern Koffer packt und die Bahnfahrt selbst als Erlebnis sucht, ist im Zug gut aufgehoben. Man schläft, während die Strecke zurückgelegt wird, und wacht am nächsten Ziel auf. Für ältere Reisende, die Rajasthan einmal sehen möchten, ohne an manchen Tagen fünf oder sechs Stunden im Auto zu sitzen, ist der Zug eine gute Wahl.
Unser Gründer Karni Singh hat vor seinem Wechsel ins Reisegeschäft 1998 für die Taj-Hotelgruppe gearbeitet, unter anderem im Taj Lake Palace in Udaipur. Aus dieser Zeit stammt ein Grundsatz, den wir bis heute weitergeben: Luxus in Indien bedeutet weniger die Ausstattung als die Zeit, die man an einem Ort hat. Und genau dort liegt die Schwäche der Züge.
Was gegen den Zug spricht
Der Fahrplan ist für alle gleich. Weckzeit, Abfahrt des Busses zum Fort, Mittagessen, Rückkehr zum Zug – alles ist getaktet, weil die Bahn am Abend weiterfahren muss. Wer in Udaipur einen Nachmittag länger am See sitzen möchte, kann das nicht.
Ein Beispiel ist die kurze „Treasures of India“-Route. In drei Nächten gibt es Agra, eine Safari in Ranthambore, meist am Nachmittag, und Jaipur. Auf unserer Straßenvariante, den 8 Nächten Goldenes Dreieck mit Ranthambore, fahren Sie dieselben Orte mit privatem Fahrer ab: Delhi nach Agra 200 km (etwa 4 Stunden), Agra nach Ranthambore 250 km (etwa 5 Stunden), Ranthambore nach Jaipur 200 km (etwa 4 Stunden). Das sind längere Fahrtage. Dafür steht im Park ein ganzer Tag zur Verfügung statt eines einzelnen Ausflugs – und mehr Pirschfahrten bedeuten bessere Chancen auf einen Tiger.
Was uns außerdem auffällt: Orte, die viele Gäste am Ende am meisten mögen, liegen abseits der Gleise. Pushkar, die Havelis der Shekhawati, der Jain-Tempel von Ranakpur. Auf der klassischen Rajasthan-Rundreise in 15 Nächten fahren wir von Udaipur über Kumbhalgarh und Ranakpur nach Jodhpur – 300 km, etwa 6 Stunden reine Fahrzeit, mit beiden Besichtigungen ein langer, aber lohnender Tag. Kein Luxuszug hält dort.
Und schließlich der Preis. Die Tarife werden pro Saison in US-Dollar festgelegt und ändern sich jährlich; Trinkgelder, Getränke und Wäsche sind meist extra. Für denselben Betrag lässt sich eine längere private Reise mit sehr guten Palasthotels planen. Wer rechnet, sollte deshalb den Preis pro Nacht vergleichen, nicht pro Reise.
Palastzug oder Rajasthan-Rundreise mit privatem Fahrer?
Die ehrliche Antwort hängt an drei Fragen: Wie viel Zeit haben Sie? Wie gern fahren Sie Auto? Wie wichtig ist Ihnen Freiheit im Tagesablauf?
Eine Rajasthan-Rundreise mit privatem Fahrer ist flexibler, und die Route wird um Ihre Wünsche gebaut, nicht umgekehrt. Ein Gast hat es nach seiner Reise auf TripAdvisor so beschrieben: „Die vorgeschlagene Route und die Sehenswürdigkeiten waren ebenso fantastisch wie die außergewöhnlichen Unterkünfte. Alle meine Wünsche wurden vollständig berücksichtigt.“ Über seinen Fahrer schrieb er: „Mein Fahrer Mohan war großartig: äußerst umsichtig und verantwortungsvoll.“ (Rainer, TripAdvisor, Mai 2026)
Genau das kann ein Zug nicht leisten. Er kann dafür etwas anderes: Ruhe beim Reisen, kein Verkehr, keine Landstraßen. Wer die Schlösser Rajasthans sehen will, findet in unserem Artikel über Festungen und Paläste auf der Rajasthan-Rundreise eine Route, die dieselben Höhepunkte in eigenem Tempo verbindet. Einen Überblick über die Region gibt die Seite Urlaub in Rajasthan.
Was wir Gästen raten
Wir raten zu einer Kombination, wenn das Budget es zulässt: einige Tage auf eigene Faust vorher – etwa Delhi, Agra und Jaipur in Ruhe –, dann der Zug, oder umgekehrt. Mit dem Auto mit Fahrer lassen sich die Lücken schließen, die der Fahrplan lässt. Wer das Goldene Dreieck schon kennt, findet in unserem Beitrag zur Verlängerung des Goldenen Dreiecks Ideen für die Tage nach dem Zug.
Wovon wir abraten: den Palastzug als einzige Indienreise zu buchen, wenn man eigentlich das Land kennenlernen will. Sie sehen viel – aber meist aus dem Bus, in der Gruppe, nach Plan.
Praktisch für Gäste aus Deutschland: Lufthansa fliegt nonstop von Frankfurt nach Delhi, je nach Saison in etwa 7 Stunden 40 bis 8 Stunden 15. Die Ankunft liegt meist nach Mitternacht – planen Sie deshalb mindestens eine Hotelnacht in Delhi, bevor Sie einsteigen. Die Zeitverschiebung beträgt im deutschen Winter 4,5 Stunden, im Sommer 3,5 Stunden. Die beste Reisezeit für Rajasthan deckt sich mit der Zugsaison; im April wird es bereits sehr heiß, Ausflüge zur Mittagszeit sind dann anstrengend.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Luxuszugreise in Indien?
Zwischen drei und sieben Nächten. Der Palace on Wheels fährt sieben Nächte, der Maharajas' Express drei Nächte auf der kurzen Route und sonst rund sechs, der Golden Chariot fünf.
Kann man mit dem Palace on Wheels nur einen Teil der Strecke fahren?
Die Reise ist als Rundfahrt angelegt und wird so verkauft. Ob Teilstrecken möglich sind, entscheidet der Betreiber je nach Saison; fragen Sie das vor der Buchung direkt nach.
Wann ist die Saison der Luxuszüge?
Im Wesentlichen von Oktober bis April, der Palace on Wheels beginnt teils schon im September. Im Sommer und in der Monsunzeit fahren die Züge in der Regel nicht.
Lohnt sich ein Luxuszug für eine Tiger-Safari?
Nur bedingt. Der Halt in Ranthambore reicht meist für eine Pirschfahrt. Wer ernsthaft Tiger sehen möchte, plant mehrere Safaris – unsere Tiger-Safari-Rundreisen in Indien sind darauf ausgelegt.
Sie überlegen zwischen Palastzug und Privatreise oder möchten beides verbinden? Schreiben Sie uns Ihre Reisedaten und Wünsche über unsere Anfrage für Ihre individuelle Indien-Rundreise – wir antworten aus Jaipur mit einem konkreten Vorschlag.


